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Ramona Kleinert war ein aufgewecktes kleines Mädchen, 4 Jahre alt, als sie das erste Mal in meine Praxis kam.
Löcher in 3 Milchzähnen, Schmerzen, auszuhalten.
Mit 4 1/2, 7 Löcher in 7 Zähnen, und jedesmal, wenn man einen mit der Sonde berührte, schrie sie auf und hüpfte fast vom Behandlungstuhl und weinte.
Sie tat mir leid, so leid.
Man musste aktiv werden. Sonst hättte die Kleine Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen gehabt.
Versuch eins, Bohren, Füllung, einspachteln klappte unter Mühen. Beim zweiten brach sie in Tränen aus, keine Chance, vernünftig zu arbeiten. Beim dritten Zahn schrie sie nur.
Ich besprach mit der Mutter die Möglichkeiten.
Ich hatte, es waren ganz spezielle Fälle, schon mehrfach Kindern in Vollnarkose, die Zähne in Ordnung gebracht; gebohrt, Füllung ins Loch, Kind beschwerdefrei. Auch Zähne gezogen, falls erforderlich. Im Prinzip kann man alles mit dem Kind machen, wenn es in Narkose ist, es wehrt sich nicht, man kann alle notwendigen zahnmedizinische Maßnahmen durchführen. Eigentlich eine feine Sache.
Die Narkose, ja. - Propofol gibt es schon so lange, man kennt alle Nebenwirkungen, und die sind, auch in einer Arztpraxis, in den Händen eines Facharztes für Anästhesie gut beherrschbar.
War es auch. Alles lief gut.
Ramona ging nach Hause.
Dann kam sie am Abend mit Fieber ins Krankenhaus.
Und war am nächsten Morgen tot.
Sepsis.
Durch Bakterien in der Propofol-Durchstechflasche wie sich später herausstellte.
Es kam zum Prozess. Die Eltern von Ramona, ihrem einzigen Kind, bekamen Entschädigung zugesprochen.
Der Narkosearzt wurde verurteilt, wegen ungenügender Beachtung von Hygienemaßnahmen, und bekam Berufsverbot für vier Jahre.
Aber das ersetzte Torsten Himmerich und Daniela Kleinert (Daniela hatte ihren Mädchennamen beibehalten, Ramona wurde geboren, als sie noch nicht verheiratet waren), nicht das gemeinsame Kind.
Ich war auch auf der Beerdigung.
Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich Daniela Kleinert ein wenig die OP aufgeschwatzt hatte (geringes Risiko, denken sie an die fröhliche, schmerzfreie Tochter).
Und irgendetwas in Torsten Himmerichs Blick machte mich stutzig. Der Blick schien auf Rache zu sinnen.
Aber ich konnte mich täuschen.
Narkose